Unser Mini-Italien-Roadtrip 18. – 21. April 2019

Ich habe eine kleine aber ziemlich bedeutende und oft nervige Schwäche: ich kann mich einfach nicht entscheiden. Egal ob im Restaurant, im Kleidungsgeschäft oder eben auch wenn es um Urlaub geht. Die Idee mit dem Auto nach Italien zu fahren gab es schon etwas länger aber wohin im April? Die Städte in der Toskana waren uns und unseren kleinen Zeitraum einfach zu weit, die Ferienorte wie Bibione und Jesolo noch zu kalt für einen Badeurlaub und die Skisaison war so gut wie vorbei.
Für viele ist der vollkommene Urlaub, in einem schönen Hotel zu wohnen, am Strand zu liegen, ein gutes Buch zu lesen und einen Cocktail zu schlürfen. Ich hingegen bin da eher der vagabundierende Urlauber: Ich möchte Neues sehen, anderes Essen probieren, Menschen und Ihre Traditionen kennenlernen. Und somit stand auch für diesen Kurzurlaub fest: Es wird eine aufregende Reise mit vielen verschiedenen Stopps in Bella Italia – um das echte Dolce Vita kennenzulernen.
Mit zwei Gläsern Wein und dem iPad machten wir uns es auf der Couch gemütlich und überlegten, welche Route für uns Sinn macht, suchten nach Unterkünften und besprachen die Tagesabläufe.
Unsere erste kleine gemeinsame Reise startete am 18. April. Der Wecker klingelte um 4 Uhr morgens, die letzten Sachen aus dem Badezimmer wurden zusammengepackt und ein paar Brote geschmiert. Mit dem kleinen VW Golf, der schon am Abend zuvor vollgepackt wurde bis oben hin, ging es dann los Richtung Autobahn. In unser Navi gaben wir als erstes Ziel für den heutigen Tag den Pragser Wildsee ein, auch bekannt unter Lago di Braies. Der Bergsee liegt in der Gemeinde Prags, zwischen Bruneck und Toblach in Südtirol. Wir fuhren ca. 5 ½ Stunden, bis wir um halb 12 den Parkplatz inmitten der Berge erreichten.

Ganz gespannt, welche Naturschönheit uns gleich erwarten würde, gingen wir die 5 Minuten Fußweg zum See … oder eben auch nicht zum See. Denn dieser war schlichtweg einfach nicht da. Wir hatten ein atemberaubendes Bergpanorama erwartet, das sich im glasklaren See spiegelt, eine alte Holzhütte am Ufer und zahlreiche Ruderboote wie in einer Kette aneinandergereiht – wie der typische Pragser-Wildsee-Instagram Post eben. Leider konnten wir weder Wasser noch die nostalgischen Bötchen darauf finden. Was ganz einfach daran lag, dass anstatt Wasser nur Eis zu sehen war.

Aber wir lachten. Ob mehr über die Tatsache, dass wir zum absolut falschen Zeitpunkt hier her kamen oder über uns selbst, das weiß ich nicht. Nichts desto trotz: Wer kann schon behaupten, dass er nicht nur am See oder auch auf und in dem See stand? Das, was vom Wasser noch übrig war, war gefroren und bot eine große Fläche auf der man umhergehen konnte.
Unser Fazit: Mit dem Bergpanorama, welches sich normalerweise im hellblauen und glasklaren Wasser des Pragser Wildsees spiegelt und der Sonne, die die Wasseroberfläche zum glitzern bringt ist der Ort sicher noch beeindruckender. Aber auch im April, haben wir, während wir inmitten des Sees auf der Eisfläche standen, festgestellt: Der Umstand macht diesen Ort kein bisschen weniger magisch – wir kommen wieder!
Da der See ohnehin nur als Zwischenstopp dienen sollte, machten wir uns wieder auf den Weg. Wir rätselten, ob nun alle Seen in der Nähe (oder zumindest auf der gleichen Meeresspiegelhöhe) so aussahen. Einer fiel mir spontan nämlich noch ein – der Toblacher See. Da ich aber selbst bei Stadt-Land-Fluss bei der Kategorie Fluss/See/Gewässer grundsätzlich passen musste, gestehe ich, dass ich diesen See nur aus meinem Lieblingsfilm kannte. Bei ‚Honig im Kopf‘ ist der ursprünglich zerklüftete Alpensee nämlich Schauplatz für eine Nacht unter freien Himmel und am Lagerfeuer. Til Schweiger, der Regisseur und gleichzeitig Schauspieler des Films, verbrachte hier übrigens selbst viele Familienurlaube in seiner Kindheit.
Also mit einer eher verschwommenen Vorstellung im Kopf tippten wir auch den Toblacher See in unser Navi ein und waren auch schon innerhalb 20 Minuten da. Und hier wurden wir keineswegs enttäuscht – im Gegenteil.

Uns erwartete ein wunderschöner Bergsee, umgeben von eher bewachsenen Bergen, die sich auf der Wasseroberfläche spiegelten. Wie ich finde, die eher grünere Variante des Pragser Wildsees. Auch hier findet man kleine Holzhäuschen am Ufer, die im Sommer Tretboote anbieten und Restaurants, bei denen man auf der sonnigen Terrasse seinen echten italienischen Cappuccino mit Blick auf den See genießen konnte. Ein recht guter Trost für uns, also taten wir genau das und spazierten noch etwas am Wasser entlang.
Nach einer kleinen Stärkung fuhren wir dann von Toblach zu unserer ersten Unterkunft nach Cortina d‘Ampezzo. Die Fahrt dort hin dauerte ca. eine halbe Stunde. Um ehrlich zu sein, konnten wir uns rein gar nicht vorstellen, was uns erwartet. Wir buchten vorab im Internet nach langer Suche nach etwas ‚einfachem aber außergewöhnlichem‘ ein sogenanntes Pod. Denn die Beschreibung: Wenn Sie ein nach einem einzigartigen Campingerlebnis suchen, dann ist das Glamping im Pod genau das Richtige für Sie: Erleben Sie Natur und Komfort in einem! … und ein bis zwei Bilder waren alles, was wir über unsere Unterkunft für die erste Nacht wussten. Sehr gespannt aber vor allem vorfreudig fuhren zur Schranke des Campingsplatzes, auf dem die besagten kleinen Holzunterkünfte stehen sollten. Die Verständigung beim ‚Check In‘ im Anmeldehäuschen fand sozusagen mit Händen und Füßen statt, da der nette junge Mann nur italienisch sprach – es funktionierte aber trotzdem unkompliziert und wir hatten im nächsten Moment schon unseren Schlüssel mit der Nummer 1, die ganz sorgfältig und mit Liebe zum Detail in einen kleinen Astquerschnitt geritzt war, in der Hand.
Mit dem Auto fuhren wir dann durch den leeren, fast wie ausgestorbenen Campingplatz bis wir ganz am Ende unsere kleine, süße Unterkunft erreichten. Uns war sicher in dem Moment mehr als deutlich ins Gesicht geschrieben, dass wir mit so etwas Schönem nicht gerechnet haben. Das niedliche, runde Holzhäuschen stand etwas erhöht auf einem Hügel und mit der Terrasse direkt mit Blick zum rauschenden Fluss, der sich zwischen zwei riesigen Bergen auf beiden Seiten seinen Weg bahnte. Das Pod war einfach, denn es bestand nur aus einem gemütlichem Bett, vielen kuscheligen Kissen und Decken und einem Nachttisch. Einfach und außergewöhnlich – genau das, was wir wollten.

Wir packten unsere Taschen in das Pod und planten dann den weiteren Ablauf. Wir entschlossen uns das kleine Städtchen Cortina d‘Ampezzo zu erkunden und fuhren hierzu mit dem Auto durch die schmalen Straßen und parkten bei der Kirche. Schnell bemerkten wir: Cortina war nicht nur ein normaler Skiort in Norditalien, hier wurden 1956 auch die Olympischen Winterspiele ausgetragen. An sich ein niedlicher Ort, für uns allerdings nur eine gute Möglichkeit uns unser Abendessen zu besorgen. Im ‚La Cooperativa de Cortina‘, einem kleinen Einkaufszentrum statteten wir uns dann mit Rotwein, Käse, Trauben und Schinken aus. Übrigens: es ist so gut wie das einzige Lebensmittelgeschäft im Umkreis von 30km. Also am besten noch im Laufe des Tages Öffnungszeiten checken oder auf dem Weg einen Einkaufsstopp machen, denn auf dem Campingplatz gibt es normalerweise zwar einen Supermarkt, eine Frühstücksbar, eine Pizzeria – allerdings nur im Sommer.
Eigentlich war unser Plan noch an diesem Tag zu den drei Zinnen zu wandern, das Wahrzeichen der Dolomiten. Aber es war schon zu spät um jetzt noch los zu wandern, wir waren erschöpft von unserer Anreise und der Gedanke, die letzten Sonnenstrahlen lieber mit einem Glas Rotwein auf unserer Terrasse mit Blick auf den Bergfluss zu genießen, überzeugte uns dann letztendlich – seht selbst …


Geduscht, Zähne geputzt usw. haben wir in den öffentlichen Sanitäranlagen. Wer das nicht möchte aber auf das Erlebnis ‚Pod‘ nicht verzichten möchte, für den ist das Mega Pod die richtige Wahl. Diese, etwas größere Kategorie der kleinen Holzhäuschen, sind mit einem eigenen kleinen Bad ausgestattet.
19. April
Der Tag startete mindestens genauso schön, wie der gestrige zu Ende gegangen war. Die Sonne machte sich wieder auf unserer Terrasse breit und wir deckten für unser Frühstück, welches wir uns von zu Hause mitgebracht haben und planten unseren Tag.

Heute stand als nächster Stopp Bozen auf dem Plan, hier wollten wir Mittagessen. Es gab genau zwei Routen, die von Cortina nach Bozen führten und da es keinen zeitlich relevanten Unterschied gab, entschieden wir uns für die gebührenfreie. Nach geschätzt hunderten Kurven, atemberaubenden Ausblicken auf die riesigen Felsmassive, vielen kleinen Skiorten und unzähligen Höhenmetern, erreichten wir nach 2 ½ Stunden die grüne Landschaft um Bozen. Schon allein der Aussichten wegen, würden wir wieder diese Route wählen.

Angekommen im grünen, blühenden Bozen und noch immer begeistert von der schneeweißen Landschaft, durch die wir noch 20 Minuten vorher gefahren sind, suchten wir uns ein Parkhaus in Bozen. Wir wählten die wohl einfachste und bequemste Variante ‚Parkhaus Bozen Mitte‘, und machten uns auf den Weg in die Stadt. Eigentlich trieb uns nur der Hunger durch die kleinen Gässchen und es dauerte nicht lange, bis wir auf den Holzstühlen von ,Pizzeria Trattoria Nussbaumer‘ saßen und laut Google ‚die beste Pizza Bozens‘ kaum erwarten konnten. Sie war okay aber nicht weiter erwähnenswert. Wir spazierten noch ein wenig durch den Markt in Bozen und tranken dann noch ein Bier in einem biergartenähnlichem Außenbereich eines Restaurants.


Da wir noch fast 2 Stunden Fahrt bis zu unsere Unterkunft für die zweite Nacht hatten, verabschiedeten wir die kleine Stadt im Meran schnell und machten uns gespannt zu unserer nächsten Übernachtungsmöglichkeit auf.
Nach ca. 1,5 Stunden Autofahrt befanden wir uns dann auf der Höhe des Gardasees, wo wir einen sehr schmalen serpentinenähnlichen Weg nach oben zu unzähligen Weinreben in das kleine Örtchen Negrar fuhren. Diese Anfahrt war eine Mischung aus ‚wie soll denn da ein Auto durchpassen?‘ und wunderschönen Ausblicken über die grüne Landschaft und vielen Weinhängen. Unsere Unterkunft hatten wir zuvor auf Agriturismo.de gefunden – uns hat das rustikale Landhaus inmitten der Natur auf den ersten Blick überzeugt, ohne zu wissen, dass wir hier einen absoluten Geheimtipp gebucht haben. Nach vielen Höhenmetern standen wir dann vor den Toren des Weinguts von Gianpaolo und Maria Teresa. Es öffnete sich automatisch und wir fuhren den Kieselweg in einem sehr großem und gepflegten Garten entlang zum Landhaus, wo uns Giampaolo bereits mit einem Lächeln empfing.

Er begrüßte uns ganz herzlich und setzte sich mit uns in den Frühstücksraum um die Formalitäten abzuhaken. Während er sich unsere Ausweisdaten notierte, durften wir schon in den Genuss einer seiner eigenen Weißweine kommen – eine nette Art uns ‚herzlich Willkommen‘ zu sagen, wir fühlten uns sofort wohl. Und ich glaube schon in diesem Moment, kam bei uns beiden die Frage auf, warum wir hier nur eine Nacht bleiben. Giampaolo empfahl uns mit Hilfe einer kleinen Karte ein Restaurant fürs Abendessen, danach zeigte er uns unser Zimmer, wovon es auf dem gesamten Gut übrigens nur vier Stück gibt. Kurz und knapp: großzügig, komfortabel und mit viel Atmosphäre vergangener Zeiten. Als wir ihm sagten, der Wein sei der beste, den wir je getrunken haben, lächelte er übers ganze Gesicht, bedankte sich und gab uns die Flasche in die Hand. Wer den echten Geheimtipp mal probieren möchte, Giampaolo und seine Frau freuen sich auch über Bestellungen per Mail. Oder ihr macht es so wie wir: Ihr besucht die beiden selbst auf Ihrem Weingut inmitten der Weinberge, setzt euch mit eurem Glas Wein an den Infinitypool mit traumhaften Blick auf Verona und genießt das ihn bei Sonnenuntergang – definitiv ein Highlight in diesem Urlaub.


Wir waren am Abend noch im empfohlenen Restaurant im Nachbarort und ohne es mit Superlativen übertreiben zu wollen, haben wir dort den allerbesten Mozzarrella überhaupt gegessen – wir schwärmen heute noch davon.


20. April
Das Frühstück – ursprünglich und authentisch – wird in dem restaurierten einstigen Heuschober, einem Raum mit Steinmauern und freiliegenden Balken serviert. Durch die großen Glasfenster schweift der Blick nach draußen ab und verliert sich zwischen Weinbergen, Olivenbäumen und Zypressen rund um den Infinitypool.


Giampaolo und Maria Teresa organisieren Ausflüge in die Weinberge und Weinkeller des Valpolicella. Gemeinsam mit ihnen kann man außerdem typische Produkte der Gegend probieren: Weine, Olivenöl Extravergine, Almkäse und traditionelle Bauernwurst. Hierfür war leider die zur Verfügung stehende Zeit zu kurz aber wir sind uns sicher, das holen wir nach. Denn was wir nicht vergessen werden, ist das Gefühl dort oben zwischen all den Weinhängen, dass hier die Hektik und die Probleme des Alltags noch nicht angekommen sind.
Wir verabschiedeten uns von Giampaolo und Maria Teresa, drückten unsere Begeisterung und Dankbarkeit für die schönen Stunden noch in einem kleinen Text im Gästebuch aus und machten uns auf den Weg nach Verona, wo wir mittagessen wollten.
Nach knapp 20 Minuten waren wir da, parkten unser Auto in einer Tiefgarage und machten uns auf den Weg. Und endlich erwarteten uns die kleinen verwinkelten Gassen Italiens, nach welchen wir suchten, seit dem wir die Idee von einem Italien Roadtrip ins Auge gefasst hatten. Habt ihr gewusst, dass die Altstadt von Verona zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört? Wir schlenderten vorbei am Amphitheater, drängten uns durch Menschenmassen und geschätzten hunderten von Selfiesticks vorbei zu Julias Balkon und ließen uns dann in einem kleinen Restaurant am Piazza della Erbe einen Aperol Spritz schmecken.

Danach spazierten wir noch kurz durch Verona und machten uns langsam auf den Weg Richtung dem ca. 70 km entfernten Venedig, zu unserer nächsten Unterkunft dem Al Segnavento – Fiori & Frutti Resort.


Ein riesiges, ruhiges Anwesen mit einer gepflegten Außenanlage, einer Reithalle und einem Gartenteich. Die Zimmer: Rustikal eingerichtet ohne jedoch überladen oder kitschig zu wirken. Der Ort der Unterkunft lag etwas außerhalb von Mestre, ein Vorort von Venedig. Und da wollten wir auch gleich hin, nachdem wir uns kurz frisch gemacht haben. Wir waren gespannt, denn genauso wie viele andere, wollten wir ‚unbedingt einmal in Venedig gewesen sein‘. Venedig ist übrigens die meist besuchte Stadt Italiens. Wir geben zu, dass wir die Zeit in der Stadt nicht so ausnutzen konnten, wie nötig, um eine ordentliche Meinung zu bilden, da wir die Fahrtzeit ein wenig unterschätzt haben und erst am späten Nachmittag dort ankamen. Außerdem muss hier nochmal gesagt werden, dass wir im April dort waren und wahrscheinlich eben auch nicht zur Stoßzeit.
Venedig …
… stinkt?
Wir haben Venedig nicht als stinkend oder überaus dreckig empfunden. Teilweise riecht es an den Kanälen nach den Abgasen der Boote, was aber nicht weiter stört.
… ist überteuert?
Auch das können wir nicht bestätigen, außer natürlich man besteht auf einen Cappuccino direkt am Piazza San Marco. Ein wenig abseits der Touristenpfade gibt es kleine Gässchen mit süßen, authentischen Restaurants oder Wein Bars, die nur aus ungefähr vier Tischen bestehen und hier zahlt man ganz normale Preise, die unserer Meinung nach in Ordnung sind. Auch das Übernachten in Venedig ist nicht teurer, als in anderen Städten. Zwischen 30 – 60 Euro die Nacht zahlt man hier für ein sauberes, geräumiges Doppelzimmer mit Frühstück.Teurer geht natürlich immer.
… ist überfüllt?
Auf den Touristenpfaden die zu den Plätzen und Sehenswürdigkeiten führen – ja, und das auch im April und am Abend. Das lässt sich aber mit Hilfe von Google Maps oder einer Karte vermeiden, dann läuft man eben einfach die kleineren Wege.

Würden wir nochmal nach Venedig? Ja. Gibt es was, das wir anders machen würden? Definitiv. Hier kommen ein paar Punkte, die man vorher im Internet auch x-Mal unter Titeln wie ,‚was man in Venedig auf keinen Fall machen sollte‘‘ finden könnte. Wir sind trotzdem drauf reingefallen und deswegen kommt hier jetzt unsere kleine Aufzählung, die wohl unter der selben Überschrift laufen könnte, als alle anderen Beiträge hierzu. Wir sind nämlich sozusagen jeder Touristenfalle ins offene Messer gelaufen, da wir am Anfang ziemlich überfordert waren von den ganzen Eindrücken. Kurz nach der Rialto Brücke machten wir eine Begegnung mit einem Rosenverkäufer, der mir eine Rose dann mit den Worten ‚,it‘s free‘‘ in die Hand drückte aber anschließend nicht aus dem Weg ging, bis er uns vier Euro abgeknöpft hatte. Naja, weiter ging‘s zum Markusplatz, wo unser Geldbeutel gleich nochmal um ein paar Euro leichter wurde. Ich bückte mich dort nur kurz zu einer Taube und fast ohne es zu merken, hatte ich getrocknete Maiskörner in der Hand und die Tauben kamen nur so angeflogen – tja, das war wohl ein recht teures Foto. Ob es das wert war, ich weiß es nicht, hier ist es:

Langsam bekamen wir Hunger und da es unser letzter Abend war, wollten wir natürlich nochmal echt italienisch Pizza und Pasta essen gehen. Wir schieben es mal darauf, dass wir aufgrund unseres brummenden Magens nicht mehr klar denken konnten aber wir entschieden uns für das erstbeste, typisch touristische Restaurant direkt am Wasser. Die Preise waren teuer, aber wir dachten uns ,,hey, das gönnen wir uns am letzten Abend‘‘ – Fehler. Wenig später standen eine Tiefkühlpizza und Fertig-Pasta aus dem Supermarkt vor uns und obwohl wir beide wirklich nicht pingelig sind, das war wirklich beides ungenießbar und ohne jeglichen Geschmack. Wir bezahlten die Rechnung gleich, verschwanden, konnten beim kurzen Blick in den Innenbereich des Restaurants dann auch deutlich erkennen, dass es so etwas wie eine Küche auch gar nicht gab, und lachten dann erst mal über uns selbst. Auch wenn ich nicht glaube, dass viele Leute den gleichen Fehler machen würden aber hier der Name: Riviera del Leon – auch laut der allerersten Bewertung bei Google ,‚rude and expensive‘‘. Und noch zwei Worte von uns: vorbei gehen!
Wir machten es uns dann in einem kleinen Restaurant in einer Seitengasse gemütlich, aßen bei einem Glas Wein zu Abend und verabschiedeten uns kurz darauf von Venedig. Da sich unsere Unterkunft etwas entfernt befand, mussten wir erst mit dem Zug wieder zurück nach Mestre fahren. Im Großen und Ganzen ein etwas stressiger aber wunderschöner Tag, prall gefüllt mit Eindrücken zweier beliebter italienischen Städte. Ein direktes Urteil erlauben wir uns aufgrund der kurzen Zeit zwar bei beiden nicht, wir würden aber sowohl nochmal nach Verona als auch nach Venedig … auch wenn uns Verona ‚,auf den ersten Blick‘‘ mehr überzeugt hat.

21. April
Das Frühstück auf dem Gut Al Segnavento war sehr liebevoll zubereitet, das Personal außerordentlich freundlich und die Abwicklung aller Formalitäten dank tollen Englischkenntnissen sehr einfach.

Wir packten unsere Sachen wieder ins Auto, da heute ja eigentlich nur die Heimreise auf dem Plan stand. Wir entschieden uns aber spontan für einen Abstecher ans Meer und tippten Jesolo in unser Navi ein, welches ca. 45 Minuten Fahrzeit anzeigte. Da es zum Baden noch zu kalt war, legten wir uns an den Strand in die Sonne und genoßen mit dem Meeresrauschen die letzten Stunden in Italien – die perfekte Art unseren Mini-Italien-Roadtrip ausklingen zu lassen.

Unser Fazit
da wir nur wenige tage zeit hatten und unsere allgemeine zeitplanung mit der fahrtzeit und anderen ungeplanten ereignissen sehr knapp bemessen war, waren es sehr viele eindrücke in zu kurzer zeit. wir haben viel gesehen und erlebt, jeder tag hat uns mit neuen highlights überrascht: rustikale, landestypische unterkünfte, atemberaubende landschaften, köstliche, italienische küche und die eng verwinkelten gassen in den authentisch altstädten. Den nächsten roadtrip gehen wir allerdings etwas entspannter an: Weniger unterkunftswechsel, weniger städte oder eben einfach mehr zeit.
Man spürt bekanntlich den charme der Orte erst richtig, wenn man sich dafür genügend zeit nimmt. wir haben die tage dort sehr genossen und planen bereits den nächsten trip.

Bildnachweis: Alle Bilder privat
